Karriere in der Pflege
Quereinstieg in die Pflege: Wege in Bayern
Als Quereinsteiger in die Pflege in Bayern: Zugang, Ausbildung und Umschulung, Förderung nach SGB III und der Weg in die außerklinische Intensivpflege.

Pflegekräfte fehlen, und viele Betriebe suchen bewusst Menschen aus anderen Berufen. Ein Quereinstieg ist in Bayern auf mehreren Wegen möglich. Welcher passt, hängt von Ihrem Schulabschluss, Ihrer Vorbildung und Ihrem Zeitrahmen ab.
Dieser Beitrag ordnet die Wege, zeigt die Förderung durch die Agentur für Arbeit und erklärt, was Sie für die Intensivpflege zu Hause zusätzlich brauchen.
Pflegehelfer, Ausbildung, Umschulung
Der Zugang zur Pflegefachausbildung
Der Hauptweg ist die generalistische Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann. Sie dauert in Vollzeit drei Jahre, in Teilzeit höchstens fünf Jahre (§ 6 Pflegeberufegesetz, PflBG). Zugang haben Sie nach § 11 PflBG mit einem dieser Nachweise:
- mittlerer Schulabschluss oder gleichwertiger Abschluss,
- Hauptschulabschluss zusammen mit einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung,
- Hauptschulabschluss zusammen mit einer mindestens einjährigen, landesrechtlich geregelten Assistenz- oder Helferausbildung in der Pflege,
- eine sonstige zehnjährige allgemeine Schulbildung.
Wer schon eine Ausbildung in einem pflegeverwandten Beruf abgeschlossen hat, kann die Ausbildung nach Angaben der Kampagne "Neue Pflege Bayern" um bis zu ein Jahr verkürzen. Ein Alterslimit gibt es nicht. Die Ausbildung ist für Auszubildende kostenlos, Sie erhalten vom ersten Jahr an eine Vergütung. Die Höhe hängt vom Ausbildungsbetrieb ab, weil kein allgemein verbindlicher Tarifvertrag gilt.
Der Umweg über die Helferausbildung
Wenn Ihnen der Schulabschluss oder die Zeit für drei Jahre fehlt, ist die Pflegeassistenz ein schneller Einstieg. Die Helferausbildung öffnet nach § 11 PflBG mit Hauptschulabschluss den Zugang zur Fachausbildung, sofern sie mindestens ein Jahr dauert und landesrechtlich geregelt ist. Details zur bayerischen Pflegefachhelferausbildung finden Sie im Beitrag Pflegefachhelfer-Ausbildung in Bayern. Die Vollausbildung beschreibt der Beitrag Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann in Bayern.
Umschulung
Eine Umschulung ist die Pflegefachausbildung, die Sie als Berufswechsler absolvieren, oft mit Förderung der Agentur für Arbeit. Inhaltlich unterscheidet sie sich nicht von der regulären Ausbildung. Sie durchlaufen dieselbe dreijährige Ausbildung mit mindestens 2.500 Stunden praktischer Ausbildung und denselben staatlichen Abschluss.
Welcher Weg passt zu wem
- Mittlerer Schulabschluss, kein Pflegeberuf: direkt in die dreijährige Pflegefachausbildung, bei Bedarf mit Förderung durch die Agentur für Arbeit.
- Hauptschulabschluss und abgeschlossene Berufsausbildung: ebenfalls direkter Zugang zur Fachausbildung, sofern die Berufsausbildung mindestens zwei Jahre dauerte.
- Hauptschulabschluss ohne Berufsausbildung: zuerst die Helferausbildung, danach die Fachausbildung.
- Abitur: zusätzlich das Pflegestudium als Option.
Was Betriebe von Ihnen erwarten
Die Kampagne "Neue Pflege Bayern" nennt als Voraussetzungen körperliche Belastbarkeit und gute Deutschkenntnisse. Perfektes Deutsch ist nicht nötig, viele Einrichtungen bieten Sprachunterstützung. Gehoben wird mit Hilfsmitteln, rückenschonende Techniken werden in der Ausbildung vermittelt. Der Dienst umfasst Wochenenden und Feiertage. Prüfen Sie ehrlich, ob das zu Ihrem Alltag passt, bevor Sie einen Ausbildungsplatz annehmen.
Ein Praktikum oder ein Probetag im Wunschbetrieb hilft bei dieser Entscheidung. In der häuslichen Einzelversorgung betreut eine Pflegekraft eine Person, je nach Verordnung bis zu 24 Stunden am Tag. Das ist eine andere Arbeitsweise als auf einer Station mit mehreren Patienten, und sie liegt nicht jedem.
Förderung in Bayern
Die Förderung läuft vor allem über die Agentur für Arbeit und das Dritte Buch Sozialgesetzbuch (SGB III). Nach der Kampagne "Neue Pflege Bayern" kann die Agentur unter bestimmten Voraussetzungen die Lehrgangsgebühren für die gesamte dreijährige Ausbildung übernehmen. Bei Arbeitslosigkeit kann zusätzlich ein monatliches Weiterbildungsgeld fließen. Läuft die Weiterbildung während eines bestehenden Arbeitsverhältnisses, kann der Arbeitgeber einen Zuschuss zum Arbeitsentgelt für die Freistellung erhalten.
Die rechtliche Grundlage ist § 81 SGB III. Die wichtigsten Punkte daraus:
- Die Agentur muss Sie vor Beginn der Weiterbildung beraten.
- Maßnahme und Bildungsträger müssen zugelassen sein.
- Sie erhalten einen Bildungsgutschein, den Sie vor Kursbeginn beim Träger einreichen.
- Wer keinen Berufsabschluss mit mindestens zwei Jahren Ausbildung hat, kann einen ersten Berufsabschluss gefördert bekommen.
Wichtig ist die Reihenfolge: Lassen Sie sich beraten, bevor Sie einen Ausbildungsvertrag unterschreiben, denn die Beratung vor Beginn schreibt § 81 SGB III vor. Ob und in welcher Höhe Sie gefördert werden, entscheidet die Agentur im Einzelfall.
Ansprechpartner ist die Berufsberatung im Erwerbsleben der Bundesagentur für Arbeit. Einen Termin vereinbaren Sie über die Agentur für Arbeit, die Ausbildungseinrichtungen in Ihrer Nähe finden Sie laut der bayerischen Kampagne im Bayernportal. Bringen Sie zum Gespräch Ihren Lebenslauf, Ihre Zeugnisse und eine Idee mit, in welchem Bereich Sie später arbeiten möchten. So kann die Beraterin oder der Berater die Förderung zielgerichtet prüfen.
Wer nach dem Abitur den akademischen Weg wählt, bekommt seit 2024 ebenfalls eine Vergütung während des Studiums. Das erklärt der Beitrag Pflegestudium in Bayern.
Einstieg in die Intensivpflege
Die außerklinische Intensivpflege (AKI) nach § 37c SGB V ist kein Einstiegsfeld für Berufsanfänger ohne Fachausbildung. Die fachpflegerische Versorgung übernehmen nach den Rahmenempfehlungen nach § 132l SGB V Pflegefachkräfte mit abgeschlossener Ausbildung. Für beatmete und nicht beatmete, aber trachealkanülierte Menschen kommt eine Zusatzqualifikation hinzu. Dafür reicht mindestens eines von diesen:
- mindestens ein Jahr hauptberufliche Erfahrung im Beatmungsbereich innerhalb der letzten fünf Jahre,
- eine anerkannte berufsbegleitende Zusatzqualifikation über mindestens 120 Zeitstunden,
- der Abschluss als Atmungstherapeut oder die Fachweiterbildung für Anästhesie und Intensivpflege.
Für Quereinsteiger heißt das: erst die Pflegefachausbildung, dann der Weg in die Beatmungspflege. Ein sinnvoller Plan ist, den Vertiefungseinsatz der Ausbildung im Bereich der ambulanten Langzeitpflege zu wählen, den § 7 PflBG ausdrücklich ermöglicht. So lernen Sie die häusliche Versorgung früh kennen. Den Basiskurs mit 120 Stunden erklärt der Beitrag Basiskurs für die außerklinische Intensivpflege. Wer später Verantwortung übernehmen möchte, findet Optionen in der Weiterbildung in der Intensivpflege.
Nach dem Einstieg lernen Sie nicht allein an. Die Rahmenempfehlungen verlangen, dass alle Pflegefachkräfte in der AKI eine spezifische Einweisung und eine strukturierte Einarbeitung nach einem Einarbeitungsplan erhalten. Außerdem müssen Leistungserbringer Fortbildungen im Umfang von mindestens 16 Stunden je Kalenderjahr sicherstellen. Fragen Sie im Bewerbungsgespräch gezielt nach dem Einarbeitungsplan und danach, wer Sie anleitet.
Häufige Fragen
Kann ich ohne Pflegeerfahrung in die Pflege wechseln?
Ja. Die Pflegefachausbildung steht Berufswechslern offen, wenn der Zugang nach § 11 PflBG erfüllt ist. Ein Alterslimit gibt es nicht.
Wie lange dauert ein Quereinstieg zur Pflegefachkraft?
Die Ausbildung dauert in Vollzeit drei Jahre, in Teilzeit höchstens fünf Jahre. Mit einer abgeschlossenen pflegeverwandten Ausbildung kann sie um bis zu ein Jahr verkürzt werden.
Zahlt die Agentur für Arbeit die Umschulung?
Sie kann unter bestimmten Voraussetzungen die Lehrgangsgebühren übernehmen und bei Arbeitslosigkeit Weiterbildungsgeld zahlen. Voraussetzung ist eine Beratung vor Beginn und ein Bildungsgutschein nach § 81 SGB III.
Kann ich als Quereinsteiger direkt in die Intensivpflege?
Nicht ohne Pflegefachausbildung. Die fachpflegerische Versorgung beatmeter Menschen übernehmen Pflegefachkräfte mit zusätzlicher Qualifikation, etwa 120-Stunden-Kurs oder Beatmungserfahrung.
Verdiene ich in der Ausbildung schon Geld?
Ja, Sie erhalten vom ersten Jahr an eine Vergütung. Die Höhe hängt vom Ausbildungsbetrieb ab.
Sie möchten wissen, wie der Einstieg in die außerklinische Intensivpflege in Ihrer Region aussieht? Auf der Karriereseite der Münchener Pflege Holding finden Sie aktuelle Möglichkeiten in Bayern.