Karriere in der Pflege
Pflegestudium in Bayern: Hochschulen und Wege
Das primärqualifizierende Pflegestudium in Bayern: sieben Hochschulen, Dauer, Zugang, Vergütung und der Weg in die außerklinische Intensivpflege.

Das Pflegestudium ist ein regulärer Weg zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann. Wer Abitur oder eine gleichwertige Hochschulzugangsberechtigung hat, kann in Bayern an mehreren Hochschulen direkt in den Beruf einsteigen, mit Bachelorabschluss und staatlicher Berufszulassung.
Dieser Beitrag erklärt, was das primärqualifizierende Studium ausmacht, welche sieben Hochschulen es in Bayern anbieten und wie sich ein Studium mit der Arbeit in der Intensivpflege verbinden lässt.
Primärqualifizierendes Pflegestudium
"Primärqualifizierend" heißt: Das Studium führt gleichzeitig zum akademischen Grad und zur Berufszulassung. Rechtsgrundlage sind die §§ 37 ff. Pflegeberufegesetz (PflBG). Die hochschulische Ausbildung befähigt zur unmittelbaren Pflege von Menschen aller Altersstufen und hat gegenüber der beruflichen Ausbildung ein erweitertes Ausbildungsziel. Dazu gehören laut Gesetz die Steuerung hochkomplexer Pflegeprozesse und die eigenverantwortliche Wahrnehmung heilkundlicher Aufgaben bei diabetischer Stoffwechsellage, chronischen Wunden und Demenz.
Dauer und Aufbau
Nach § 38 PflBG dauert das Studium mindestens drei Jahre. Es ist ein duales Studium mit theoretischen und praktischen Lehrveranstaltungen an der Hochschule und Praxiseinsätzen in Pflegeeinrichtungen. In Bayern beschreibt das Gesundheitsministerium ein Vollzeitstudium mit sieben Semestern (210 ECTS) oder acht Semestern (240 ECTS), das im Wintersemester beginnt. Vorgesehen sind mindestens 2.300 Stunden Praxiseinsätze und 2.100 Stunden Lehrveranstaltungen.
Die Hochschule trägt die Gesamtverantwortung für die Koordination von Theorie und Praxis. Den praktischen Teil organisiert ein Träger, der mit der Hochschule einen Kooperationsvertrag hat (§ 38a PflBG). Das kann ein Krankenhaus, eine stationäre Einrichtung oder ein ambulanter Pflegedienst sein.
Die Praxiseinsätze gliedern sich in Pflichteinsätze, einen Vertiefungseinsatz und weitere Einsätze. Mindestens 10 Prozent der Einsatzzeit sind als Praxisanleitung durch qualifizierte Fachkräfte zu gewährleisten, zusätzlich begleitet die Hochschule die Praxisphasen. Ein geringer Teil der Praxis kann mit behördlicher Genehmigung durch praktische Lerneinheiten an der Hochschule ersetzt werden.
Zugang und Vergütung
Für das Studium ist in der Regel das Abitur Voraussetzung. Weitere Zugangswege richten sich nach den landesrechtlichen Regeln zum Hochschulzugang. Fragen Sie bei der jeweiligen Hochschule nach, ob Ihre Vorbildung genügt.
Seit dem 1. Januar 2024 muss der Träger Studierenden nach dem Pflegestudiumstärkungsgesetz während der gesamten Vertragsdauer eine angemessene monatliche Vergütung zahlen. Die Höhe legt der Träger fest. Aktuelle Zahlen nennen die Hochschulen und Kooperationseinrichtungen. Hier gilt wie überall: Prüfen Sie den Vertrag, bevor Sie ihn unterschreiben.
Wenn Sie die berufliche Ausbildung vorziehen, finden Sie alle Details im Beitrag Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann in Bayern.
Studierende arbeiten damit schon früh in realen Versorgungssituationen. Wer sich für die häusliche Beatmungspflege interessiert, sollte bei der Wahl des Trägers darauf achten, dass ambulante Einsätze möglich sind. Fragen Sie die Hochschule, wie sie den Vertiefungseinsatz vergibt und ob Einsätze in der ambulanten Versorgung möglich sind.
Studium oder Ausbildung
Beide Wege führen zur Berufsbezeichnung Pflegefachfrau oder Pflegefachmann. Die wichtigsten Unterschiede nach den Angaben des Gesundheitsministeriums:
- Zugang: Die Ausbildung steht Personen mit mittlerem Schulabschluss oder Hauptschulabschluss plus Berufs- oder Helferausbildung offen. Das Studium setzt in der Regel das Abitur voraus.
- Dauer: Die Ausbildung dauert drei Jahre. Das Studium dauert sieben oder acht Semester.
- Praxis: Die Ausbildung enthält mindestens 2.500 Stunden praktische Ausbildung, das Studium mindestens 2.300 Stunden Praxiseinsätze.
- Abschluss: Die Ausbildung endet mit der staatlichen Prüfung, das Studium zusätzlich mit dem akademischen Grad.
Wer vor allem schnell in die Praxis möchte, fährt mit der Ausbildung gut. Das Studium lohnt sich, wenn Sie später Pflegeprozesse steuern, forschen, lehren oder leiten möchten. Beide Abschlüsse sind für die Tätigkeit am Bett gleichwertig.
Hochschulen in Bayern
Die Kampagne "Neue Pflege Bayern" des Freistaats nennt sieben Hochschulen mit primärqualifizierendem Pflegestudium. Hier die Übersicht nach Regierungsbezirk (Stand: Oktober 2026):
Oberbayern
- Hochschule München, Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften
- Katholische Stiftungshochschule München, Pflege (B.Sc.)
- Technische Hochschule Rosenheim, Bachelor Pflegewissenschaft
Niederbayern und Oberpfalz
- Technische Hochschule Deggendorf
- Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg, Pflege (Bachelor)
Schwaben und Mittelfranken
- Hochschule Kempten, Bachelor Pflege
- Evangelische Hochschule Nürnberg, Bachelor Pflege
Die Liste stammt von der Kampagnenseite des Freistaats. Studiengangsnamen, Bewerbungsfristen, Kooperationspartner und Zulassungsregeln ändern sich. Prüfen Sie diese Angaben direkt bei der Hochschule und fragen Sie nach den Trägern des praktischen Teils, mit denen sie zusammenarbeitet.
So bewerben Sie sich
Der Ablauf unterscheidet sich je nach Hochschule. Üblich ist eine Bewerbung für das Wintersemester, weil die Studiengänge dann beginnen. Klären Sie vorab drei Punkte:
- Mit welchen Trägern des praktischen Teils arbeitet die Hochschule zusammen, und wer schließt den Vertrag mit Ihnen?
- Welche Einsatzbereiche decken die Kooperationspartner ab, etwa Krankenhaus, Langzeitpflege oder ambulante Versorgung?
- Wie hoch ist die Vergütung, und wie lange läuft die Vertragsbindung?
Studium und Arbeit in der Intensivpflege
Der Bachelor führt zur Berufsbezeichnung Pflegefachfrau oder Pflegefachmann. Damit erfüllen Absolventen die Ausbildungsvoraussetzung, die die Rahmenempfehlungen nach § 132l SGB V für Pflegefachkräfte in der außerklinischen Intensivpflege (AKI) nennen. Für die Versorgung beatmeter und trachealkanülierter Menschen kommt eine Zusatzqualifikation hinzu: mindestens ein Jahr hauptberufliche Erfahrung im Beatmungsbereich innerhalb der letzten fünf Jahre, eine anerkannte Zusatzqualifikation über mindestens 120 Zeitstunden oder ein vergleichbarer Abschluss wie Atmungstherapeut oder Fachweiterbildung Intensiv.
Für Studierende bedeutet das einen klaren Fahrplan:
- Wählen Sie einen Träger des praktischen Teils, der Erfahrung mit Beatmung oder ambulanter Versorgung hat.
- Nutzen Sie die Praxiseinsätze, um Beatmungsbereiche kennenzulernen. Der Träger organisiert die Einsätze auf Grundlage des Kooperationsvertrags mit der Hochschule.
- Planen Sie nach dem Abschluss den Basiskurs ein, wenn die Erfahrungszeit noch fehlt.
Den Basiskurs erklärt der Beitrag Basiskurs für die außerklinische Intensivpflege. Spätere Spezialisierungen beschreibt der Beitrag Weiterbildung in der Intensivpflege.
Ob ein Studium neben der Arbeit möglich ist, hängt vom Modell ab. Das primärqualifizierende Studium ist dual und mit der Vollzeitpraxis verzahnt. Eine zusätzliche Teilzeitstelle in der AKI ist deshalb nur in Absprache mit Hochschule und Träger realistisch.
Wer später Leitungsaufgaben übernehmen will, kann das Studium nutzen: Die Rahmenempfehlungen erkennen für die verantwortliche Pflegefachkraft auch den Abschluss eines betriebswirtschaftlichen, pflegewissenschaftlichen oder sozialwissenschaftlichen Studiums als Ersatz für die mindestens 460-stündige Leitungsweiterbildung an.
Häufige Fragen
Was ist ein primärqualifizierendes Pflegestudium?
Ein duales Studium, das zugleich zum akademischen Grad und zur Berufszulassung als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann führt (§§ 37 ff. PflBG).
Wie lange dauert das Pflegestudium in Bayern?
Das Gesetz verlangt mindestens drei Jahre. Das Gesundheitsministerium beschreibt sieben Semester mit 210 ECTS oder acht Semester mit 240 ECTS im Vollzeitstudium.
Bekomme ich im Pflegestudium Geld?
Ja, seit dem 1. Januar 2024 muss der Träger während der gesamten Vertragsdauer eine angemessene monatliche Vergütung zahlen. Die Höhe legt der Träger fest.
An welchen Hochschulen kann ich in Bayern Pflege studieren?
Die Kampagne Neue Pflege Bayern nennt sieben: Hochschule München, Katholische Stiftungshochschule München, TH Rosenheim, TH Deggendorf, OTH Regensburg, Hochschule Kempten und Evangelische Hochschule Nürnberg.
Kann ich nach dem Studium direkt in die Intensivpflege?
Der Abschluss erfüllt die Ausbildungsvoraussetzung. Für beatmete Menschen braucht es zusätzlich Beatmungserfahrung oder eine anerkannte Zusatzqualifikation, etwa den 120-Stunden-Kurs.
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