Karriere in der Pflege
Weiterbildung in der Intensivpflege: Wege und Anbieter in Bayern
Fachweiterbildung, Basiskurs oder Atmungstherapie: Welche Qualifikation für die Intensivpflege passt, welche Anbieter es in Bayern gibt und was Arbeitgeber übernehmen können.

Intensivpflege lässt sich in Deutschland über mehrere Wege erlernen: die zweijährige Fachweiterbildung für Intensiv- und Anästhesiepflege, eine kompakte Zusatzqualifikation für die außerklinische Beatmung oder die Ausbildung zur Atmungstherapeutin. Welcher Weg passt, hängt davon ab, wo Sie arbeiten möchten und wie viel Zeit Sie investieren können.
Dieser Beitrag ordnet die Optionen ein, nennt Anbieter in Bayern, die wir auf ihren eigenen Seiten geprüft haben, und zeigt, wie Arbeitgeber Weiterbildung unterstützen. Stand der Angaben ist Oktober 2026. Termine, Bewerbungsfristen und Zulassung klären Sie bitte direkt mit dem Anbieter, denn Fristen laufen oft Monate vor Kursbeginn ab.
Fachweiterbildung, Basiskurs, Atmungstherapie
Fachweiterbildung Intensiv- und Anästhesiepflege
Die umfassendste Qualifikation ist die Fachweiterbildung nach der Empfehlung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) zur pflegerischen Weiterbildung vom 3. und 4. Juli 2023. Die bayerischen Kliniken, die wir geprüft haben, bieten sie berufsbegleitend über zwei Jahre an. Sie ist modular aufgebaut: ein Basismodul und sieben Fachmodule mit zusammen mindestens 720 Stunden Theorie. Dazu kommen mindestens 1.800 Stunden praktische Ausbildung, davon je mindestens 500 Stunden in der Anästhesiepflege, in der operativen und in der konservativen Intensivpflege sowie 300 Stunden Wahlpflichteinsätze. Geprüft wird mit acht Modulprüfungen und drei praktischen Leistungsnachweisen.
Zugelassen sind Pflegefachpersonen mit abgeschlossener Ausbildung und mindestens sechs Monaten Berufstätigkeit in der Anästhesie oder auf einer Intensivstation. Die Fachweiterbildung zielt vor allem auf die Klinik, hilft aber auch in der AKI: Nach den Rahmenempfehlungen nach § 132l SGB V erfüllen Fachgesundheits- und Krankenpflegerinnen für Anästhesie- und Intensivpflege die Qualifikationsanforderung für die Versorgung beatmeter Patienten.
Zusatzqualifikation für die außerklinische Beatmung
Wer direkt in die außerklinische Intensivpflege einsteigen will, braucht nicht zwingend die Fachweiterbildung. Die Rahmenempfehlungen lassen alternativ zu einem Jahr einschlägiger Beatmungserfahrung innerhalb der letzten fünf Jahre auch eine anerkannte berufsbegleitende Zusatzqualifikation über mindestens 120 Zeitstunden gelten. Umfang, Inhalte und Anbieter beschreibt der Beitrag Basiskurs außerklinische Intensivpflege.
Atmungstherapie
Auch die Qualifikation als Atmungstherapeutin gilt nach den Rahmenempfehlungen für die Beatmungsversorgung. Voraussetzungen, Dauer und Einsatzfelder erklärt der Beitrag Atmungstherapeut: Weiterbildung und Einsatz.
Welcher Weg passt?
- Klinik und Intensivstation: Fachweiterbildung nach DKG.
- Außerklinische Beatmung, schneller Einstieg: Zusatzqualifikation mit 120 Stunden.
- Therapeutische Schwerpunkte rund um Atmung und Weaning: Atmungstherapie.
Wer noch keine Pflegefachausbildung hat, beginnt mit einem Einstieg in die Pflege. Mögliche Wege zeigen Pflegefachhelfer-Ausbildung in Bayern und Ausbildung zur Pflegefachfrau und zum Pflegefachmann.
Anbieter in Bayern
Die folgenden Kliniken bieten die Fachweiterbildung Intensiv- und Anästhesiepflege (DKG) nach eigenen Unterlagen an. Die Auswahl ist nicht vollständig, sie enthält nur Angebote, die wir auf den Seiten der Kliniken selbst gefunden haben.
Oberbayern
- Klinikum Ingolstadt: berufsbegleitend über zwei Jahre, mindestens 720 Stunden Theorie in Modulen und mindestens 1.800 Stunden Praxis. Der nächste Kurs hat laut Flyer (2026) Unterrichtstage ab 19. April 2027 und endet mit den Abschlussprüfungen im März 2029. Für die Bewerbung verlangt das Klinikum unter anderem den Nachweis von sechs Monaten Tätigkeit im Bereich und eine schriftliche Bestätigung der Kostenübernahme durch den Arbeitgeber.
Niederbayern
- Klinikum Passau: Kurs vom 1. November 2026 bis 31. Oktober 2028 als DKG-Weiterbildungsstätte, mit Unterrichtstagen zwischen 9.00 und 16.15 Uhr. Bewerbungsschluss für Mitarbeitende der Kooperationskliniken war der 14. September 2026, für Kliniken ohne Kooperation galt der 31. Juli 2026. Dieser Kurs ist damit für Neubewerber nicht mehr erreichbar. Fragen Sie beim Klinikum nach dem Folgekurs. Zugelassen sind Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner sowie Gesundheits- und Krankenpflegerinnen, Altenpflegerinnen und verwandte Berufe jeweils mit mindestens sechs Monaten Vollzeittätigkeit in Anästhesie oder Intensivpflege.
Zeitlich einplanen
Beide Kurse unterrichten in Blöcken. In Ingolstadt liegen die Unterrichtstage laut Flyer in Blöcken von zwei bis fünf zusammenhängenden Tagen, in Passau in Blöcken von einem bis fünf Tagen. Beide Kurse enden mit je einer praktischen Abschlussprüfung in der Intensivpflege und in der Anästhesie sowie einer mündlichen Abschlussprüfung. Dazu kommen die Praxiseinsätze in den Fachbereichen, die Sie mit dem Dienstplan Ihres Arbeitgebers abstimmen müssen. Wer in Teilzeit arbeitet, braucht für die geforderte Berufserfahrung vor Kursbeginn entsprechend länger.
Für die Zusatzqualifikation zur außerklinischen Beatmung veröffentlicht die Deutsche Interdisziplinäre Gesellschaft für Außerklinische Beatmung und Intensivversorgung (DIGAB) Curricula und bietet über die DIGAB akademie eigene Kurse an. Fragen zu Zertifikaten richtet die DIGAB an die CERTI.CARE GmbH. Anbieter in Bayern stellen wir im Beitrag zum Basiskurs vor. Weitere Kliniken in Bayern bieten die DKG-Weiterbildung ebenfalls an. Fragen Sie bei der Pflegedirektion oder Bildungsabteilung Ihres Hauses nach aktuellen Terminen.
Was Arbeitgeber unterstützen
Weiterbildung kostet Geld und Zeit. Deshalb sollten Sie vor der Anmeldung mit dem Arbeitgeber schriftlich klären, wer Gebühren übernimmt, ob Unterricht als Arbeitszeit gilt und wie Einsätze geplant werden. Das ist kein Detail: Manche Kliniken verlangen die Kostenübernahme ausdrücklich als Bewerbungsunterlage, wie das Beispiel Ingolstadt zeigt.
In der außerklinischen Intensivpflege sehen die Rahmenempfehlungen eine praktische Brücke vor. Neu eingestellte Pflegefachkräfte ohne die geforderte Qualifikation können in der Mehrfachversorgung eingesetzt werden, wenn sie zur Zusatzqualifikation angemeldet sind und den Abschluss innerhalb von sechs Monaten nachweisen. Pro Schicht darf dabei nicht mehr als eine so eingesetzte Pflegekraft arbeiten, und mindestens eine voll qualifizierte Pflegefachkraft muss anwesend sein. Zusätzlich sind eine krankheitsbildspezifische Einweisung und eine strukturierte Einarbeitung vorgeschrieben.
Für Absolventen der Pflegefachausbildung gilt eine Sonderregel: Hat der Leistungserbringer die praktische Ausbildung getragen oder wurde der Einsatz im dritten Ausbildungsjahr bei einem AKI-Anbieter absolviert, ist der Einsatz in der Einzelversorgung möglich. Die Anmeldung zur Zusatzqualifikation muss dann binnen 14 Tagen nach Beginn der Versorgung erfolgen.
Welche Weiterbildungen Ihr Arbeitgeber trägt, steht nicht im Gesetz, sondern im Arbeits- oder Weiterbildungsvertrag. Fragen Sie nach, bevor Sie zusagen. Zur Einordnung des Verdienstes lohnt der Blick auf den Beitrag Intensivpfleger Gehalt von IHM.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Fachweiterbildung Intensiv- und Anästhesiepflege?
Berufsbegleitend zwei Jahre, mit mindestens 720 Stunden Theorie und mindestens 1.800 Stunden Praxis, so die Angebote der Kliniken Ingolstadt und Passau.
Brauche ich die Fachweiterbildung für die außerklinische Intensivpflege?
Nein. Die Rahmenempfehlungen nach § 132l SGB V lassen alternativ ein Jahr Beatmungserfahrung innerhalb der letzten fünf Jahre oder eine anerkannte Zusatzqualifikation über mindestens 120 Stunden zu.
Welche Voraussetzungen gelten für die Fachweiterbildung?
Eine abgeschlossene Pflegeausbildung und nach den geprüften Angeboten mindestens sechs Monate Tätigkeit in Anästhesie oder Intensivpflege vor Beginn.
Übernimmt der Arbeitgeber die Kosten?
Das regelt der Arbeitgeber individuell. Manche Kliniken verlangen die schriftliche Bestätigung der Kostenübernahme als Bewerbungsunterlage. Klären Sie Kosten und Freistellung schriftlich.
Darf ich ohne Qualifikation in der AKI anfangen?
Unter Auflagen ja: Neu eingestellte Fachkräfte müssen die Zusatzqualifikation binnen sechs Monaten abschließen und dürfen zunächst nur in der Mehrfachversorgung unter qualifizierter Mitbesetzung arbeiten.
Sie möchten in der außerklinischen Intensivpflege arbeiten und sich weiterqualifizieren? Informationen zu offenen Stellen und Entwicklungsmöglichkeiten finden Sie auf der Seite Karriere bei der Münchener Pflege Holding.