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Fachstellen für pflegende Angehörige in Bayern

Bayern fördert Beratungsstellen für pflegende Angehörige. Was die Fachstellen leisten, wo die offizielle Liste steht und wie Sie sich bei Intensivpflege entlasten.

Aktualisiert am
October 5, 2026
· Redaktion Münchener Pflege Holding
Fachstellen für pflegende Angehörige in Bayern

Wer einen Angehörigen mit Beatmung oder Tracheostoma zu Hause begleitet, trägt oft jahrelang Verantwortung. Bayern fördert dafür ein dichtes Netz von Beratungsstellen, die sich ausdrücklich an pflegende Angehörige richten, die Fachstellen für pflegende Angehörige.

Dieser Beitrag erklärt, was die Fachstellen leisten, wo Sie die offizielle Liste finden, welche Grenzen es bei Intensivpflege gibt und wie Sie sich zusätzlich entlasten können. Die Angaben beruhen auf den Seiten des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit, Pflege und Prävention (StMGP) und des Bayerischen Landesamts für Pflege (LfP), Stand Oktober 2026.

Was die Fachstellen leisten

Laut StMGP bieten die Fachstellen psychosoziale Beratung und Begleitung sowie Entlastungsangebote für pflegende Angehörige. Das Ministerium fördert sie nach eigener Angabe seit 1998 und spricht von rund 100 Fachstellen im Freistaat. Das Landesamt für Pflege beschreibt sie als Beratungs- und Anlaufstellen für pflegende Angehörige von älteren pflegebedürftigen Menschen. Zur Angehörigenarbeit zählen längerfristige Begleitung und Entlastungsangebote.

Gefördert werden die Stellen im Rahmen des „Bayerischen Netzwerks Pflege“. Als Fachpersonal sind nach den Förderregeln vor allem ausgebildete Pflegefachkräfte und Sozialpädagogen vorgesehen, und es sollen Hausbesuche stattfinden. Das heißt für Sie: Die Beratung kommt bei Bedarf zu Ihnen nach Hause.

Welche Themen im Vordergrund stehen, bestimmen Sie: etwa die eigene Belastung, die Aufteilung der Pflege in der Familie oder die Frage, welche Hilfen Sie in Anspruch nehmen können. Ein Gespräch mit einer Fachstelle ersetzt keine Pflegeberatung der Kasse und keine medizinische Beratung, kann aber Ordnung in die nächsten Schritte bringen.

Wichtig für den Einstieg: Fachstellen und Pflegestützpunkte sind verschiedene Einrichtungen. Die Pflegestützpunkte sind kostenlose, wohnortnahe Beratungsstellen des Landes. Welche Aufgaben sie haben, erklärt der Beitrag zu den Pflegestützpunkten in Bayern.

Fachstellen nach Region

Die offizielle Liste führt das Bayerische Landesamt für Pflege auf der Seite Angehörigenarbeit/Fachstellen für pflegende Angehörige. Sie ist nach Regierungsbezirken gegliedert und nennt Träger, Name und Adresse der Stelle sowie Kontaktdaten. Die Seite trägt den Zeitstempel 31.03.2026.

Die Tabelle enthält deutlich mehr Zeilen als die Zahl „rund 100“ vermuten lässt. Wir haben bei Abruf im Oktober 2026 rund 150 Einträge gezählt, einige davon mit unvollständigen Kontaktdaten. Verlassen Sie sich deshalb nicht auf die Zahl, sondern suchen Sie in der Tabelle Ihre Region. Zur groben Orientierung die Einträge je Regierungsbezirk (eigene Zählung der LfP-Tabelle):

  • Oberbayern: rund 40 Einträge, unter anderem in München, Ingolstadt, Rosenheim, Traunstein und Garmisch-Partenkirchen.
  • Niederbayern: rund 29 Einträge, unter anderem in Straubing, Deggendorf, Landau an der Isar und Pfarrkirchen.
  • Mittelfranken: rund 26 Einträge, unter anderem in Nürnberg, Erlangen, Fürth, Ansbach und Schwabach.
  • Oberpfalz: rund 22 Einträge, unter anderem in Regensburg, Amberg, Weiden und Schwandorf.
  • Schwaben: rund 18 Einträge, unter anderem in Augsburg, Kempten, Memmingen und Lindau.
  • Oberfranken: rund 12 Einträge, unter anderem in Bamberg, Bayreuth, Coburg und Hof.
  • Unterfranken: rund 11 Einträge, unter anderem in Würzburg, Schweinfurt, Kitzingen und Miltenberg.

Für das Erstgespräch lohnt sich eine kurze Vorbereitung:

  • Notieren Sie, wer pflegt, wie viele Stunden täglich und welche Aufgaben bei Ihnen liegen.
  • Legen Sie Pflegegrad, Bescheide und die Verordnung der außerklinischen Intensivpflege bereit, soweit vorhanden.
  • Schreiben Sie auf, was Sie am meisten belastet, und was Sie sich als Erstes wünschen: Pause, Information, Gespräch.
  • Fragen Sie, ob die Fachstelle Hausbesuche anbietet und wie die Stelle mit Pflegediensten zusammenarbeitet.

Eine Fachstelle kann Ihnen keine Entscheidung abnehmen, hilft aber, Prioritäten zu setzen. Gerade bei Intensivpflege, wo die Versorgung rund um die Uhr läuft, geht die eigene Gesundheit schnell unter.

Das ist eine Momentaufnahme. Prüfen Sie Zuständigkeit, Erreichbarkeit und Angebot immer direkt bei der Stelle. Telefonnummern entnehmen Sie bitte der offiziellen Tabelle des Landesamts.

Wer die Fachstelle nicht über die Liste findet, kann den Pflegefinder Bayern nutzen, der auch Fachstellen unter den Beratungsangeboten führt: Pflegefinder Bayern erklärt.

Entlastung bei Intensivpflege zu Hause

Ein Hinweis zur Einordnung: Das Landesamt beschreibt die Fachstellen als Anlaufstellen für Angehörige älterer pflegebedürftiger Menschen. Pflegen Sie ein Kind, einen jungen Erwachsenen oder einen Menschen mit seltener Erkrankung, fragen Sie vor dem Termin kurz nach, ob die Fachstelle Erfahrung mit Ihrer Situation hat. Wenn nicht, bleiben die folgenden Wege.

  • Der Pflegedienst als Entlastung im Alltag. Bei außerklinischer Intensivpflege (AKI) in der Einzelversorgung betreut eine Pflegefachkraft den Patienten, je nach Verordnung bis zu 24 Stunden am Tag. Die Krankenkasse trägt die Leistung nach § 37c SGB V. Angehörige müssen die Behandlungspflege nicht übernehmen.
  • Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege. Pflegebedürftige mit mindestens Pflegegrad 2 haben Anspruch auf einen Gemeinsamen Jahresbetrag von bis zu 3.539 Euro je Kalenderjahr für beide Leistungen (§ 42a SGB XI). Ersatzpflege ist für längstens acht Wochen je Kalenderjahr möglich (§ 39 SGB XI). Wie das bei Beatmung gelingt, beschreibt unser Beitrag zur Kurzzeitpflege mit Beatmung.
  • Angebote zur Unterstützung im Alltag. Das StMGP nennt über 3.200 anerkannte Angebote in Bayern. Eine Liste führt das Landesamt für Pflege.
  • Austausch mit anderen Angehörigen. Selbsthilfe wirkt oft dort, wo Beratung endet. Gruppen nach Krankheitsbild nennt unser Beitrag zur Selbsthilfe für Angehörige.
  • Pflegekurse. Sie sind für Angehörige kostenlos. Mehr dazu unter Pflegekurse für Angehörige in Bayern.

Auch rechtlich ist die Mitarbeit freiwillig: Die AKI-Richtlinie verlangt, dass Angehörige sich an der Behandlungspflege beteiligen können, wenn sie das wünschen, und macht daraus keine Pflicht (§ 12 Abs. 6). Wer nur begleiten, organisieren und da sein möchte, handelt ebenso richtig. Das ist eine Entscheidung, die Sie jederzeit mit Pflegedienst und Arzt neu besprechen können.

Planen Sie Entlastung früh ein. Wer erst bei Erschöpfung Hilfe sucht, hat weniger Handlungsspielraum. Sprechen Sie offen mit dem Pflegedienst, wenn Sie Pausen brauchen. Dienstpläne lassen sich leichter anpassen, wenn Wünsche rechtzeitig bekannt sind.

Häufige Fragen

Was ist eine Fachstelle für pflegende Angehörige?

Eine vom Freistaat Bayern geförderte Beratungs- und Anlaufstelle. Sie bietet psychosoziale Beratung, Begleitung und Entlastungsangebote für pflegende Angehörige.

Wie viele Fachstellen gibt es in Bayern?

Das Staatsministerium nennt rund 100. Die Kontakttabelle des Landesamts für Pflege enthält mehr Einträge. Maßgeblich ist die Tabelle für Ihre Region.

Wo finde ich die offizielle Liste?

Beim Bayerischen Landesamt für Pflege auf der Seite zur Angehörigenarbeit und den Fachstellen für pflegende Angehörige. Sie ist nach Regierungsbezirken gegliedert.

Sind Fachstellen auch für Angehörige beatmeter Patienten da?

Das Landesamt beschreibt sie als Anlaufstellen für Angehörige älterer pflegebedürftiger Menschen. Fragen Sie vorab nach, ob die Stelle Erfahrung mit Ihrer Situation hat.

Was kostet die Beratung?

Zu Kosten im Einzelfall finden wir auf den Seiten des Ministeriums und des Landesamts keine Angabe. Fragen Sie bei der Stelle nach.

Wenn Sie wissen möchten, wie wir die Versorgung so organisieren, dass Ihre Familie spürbar entlastet wird, sprechen Sie uns an: über das Kontaktformular oder mit einem Blick auf die freien Kapazitäten.

Quellen