Versorgung in Bayern
Weaning-Zentren in Bayern: Kliniken nach Region
Sieben WeanNet-Zentren in Bayern liegen in Oberbayern, Schwaben, Oberpfalz und Unterfranken. Wir nennen sie, erklären die Verlegung und die Überleitung nach Hause.

Wenn ein beatmeter Mensch auf der Intensivstation nicht von der Maschine loskommt, ist ein spezialisiertes Weaning-Zentrum oft der nächste Schritt. In Bayern führt die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) im Netzwerk WeanNet sieben zertifizierte Zentren. Alle sieben liegen in Oberbayern, Schwaben, der Oberpfalz und Unterfranken.
Dieser Beitrag nennt die Zentren nach Regierungsbezirk, erklärt, wann eine Verlegung sinnvoll ist, und beschreibt den Weg danach. Was Beatmungsentwöhnung medizinisch bedeutet, erklärt der Beitrag Beatmungsentwöhnung (Weaning) von Intensivpflege-Beratung.
Zertifizierte Weaning-Zentren nach Region
Die Liste beruht auf den WeanNet-Zentren der DGP. Angegeben ist jeweils die Erstzertifizierung laut DGP-Liste. Stand: Oktober 2026. Prüfen Sie Aufnahmemöglichkeiten und Wartezeiten direkt bei der Klinik.
Was ein Weaning-Zentrum leistet
Die Zentren arbeiten mit festen Protokollen und multiprofessionellen Teams. Das Lungenzentrum München in Harlaching beschreibt als Beispiel eine DGP-zertifizierte Weaning-Einheit mit sechs Betten direkt neben der Intensivstation. Dort wird die Unterstützung durch das Beatmungsgerät schrittweise verringert, um die Atemmuskulatur zu trainieren. Danach folgen immer längere Atempausen unter engmaschiger Überwachung. Ärzte, speziell geschulte Atmungstherapeuten sowie Physio-, Ergo- und Sprachtherapeuten arbeiten zusammen. Das Haus ist nach eigener Angabe seit 2012 im WeanNet-Netzwerk, das Patientendaten registriert und Qualitätsindikatoren vergleicht.
Die Zentren unterscheiden sich in Größe, Schwerpunkt und Aufnahmepraxis. Manche sind pneumologisch geprägt, andere intensivmedizinisch. Die genauen Aufnahmekriterien und den Ablauf der Anmeldung erfahren Sie von der jeweiligen Klinik.
Oberbayern
- Asklepios Lungenklinik Gauting, Klinik für Intensivmedizin, Schlaf- und Beatmungsmedizin (07/2010)
- Städtisches Klinikum München, Lungenzentrum München (Bogenhausen-Harlaching) (06/2018)
- Kreisklinik Wolfratshausen, Pneumologie und Beatmungsmedizin (08/2019)
Schwaben
- Klinik Immenstadt, Klinikverbund Allgäu (04/2023)
Oberpfalz
- Caritas-Krankenhaus St. Maria, Klinik Donaustauf, Beatmungszentrum (10/2010)
- Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg (12/2025)
Unterfranken
- Thoraxzentrum Bezirk Unterfranken, Intensivstation und Weaningzentrum, Münnerstadt (12/2010)
In Niederbayern, Oberfranken und Mittelfranken führt die DGP kein WeanNet-Zentrum. Fragen Sie bei Bedarf in einem Zentrum der Nachbarregionen an. Für neurologisch Erkrankte gibt es daneben Weaning-Einheiten in der Frührehabilitation, zum Beispiel in der Klinik Hohe Warte in Bayreuth oder in der Kiliani-Klinik in Bad Windsheim. Einen Überblick dazu bietet der Beitrag Neurologische Reha in Bayern.
Wann eine Verlegung sinnvoll ist
Die S2k-Leitlinie „Prolongiertes Weaning“ der DGP (AWMF-Register 020/015, Stand 2019, derzeit in Überarbeitung) unterscheidet drei Verläufe:
- einfaches Weaning: erfolgreiche Entwöhnung nach dem ersten Spontanatmungsversuch und der ersten Extubation
- schwieriges Weaning: erfolgreiche Entwöhnung spätestens beim dritten Spontanatmungsversuch oder innerhalb von sieben Tagen nach dem ersten erfolglosen Versuch
- prolongiertes Weaning: erfolgreiche Entwöhnung erst nach mindestens drei erfolglosen Versuchen oder Beatmung länger als sieben Tage nach dem ersten erfolglosen Versuch
Bei prolongiertem Weaning gelingt es der Leitlinie zufolge in spezialisierten Weaning-Zentren nach Verlegung in etwa der Hälfte der Fälle, ein Weaning-Versagen doch noch abzuwenden. Bei einem Teil der Patienten schlagen auch wiederholte Versuche fehl, sodass eine dauerhafte invasive Beatmung außerhalb der Klinik nötig bleibt. Die Asklepios Lungenklinik Gauting nennt als typische Gruppe Patienten, die länger als sieben Tage invasiv über Tubus oder Trachealkanüle beatmet werden oder deren Weaning-Phase verlängert oder kompliziert verläuft.
Eine Verlegung ist vor allem dann naheliegend, wenn die Entwöhnung auf der bisherigen Station trotz mehrerer Versuche stockt und kein Zentrum im eigenen Haus verfügbar ist. Die Leitlinie nennt dazu ein Studienergebnis: Bei klinisch als nicht entwöhnbar eingeschätzten Patienten führte die Verlegung in eine Einrichtung mit Weaning-Protokoll bei einem Drittel zu einem sofortigen, erfolgreichen Weaning. Ein Automatismus ist das nicht, denn der Nutzen hängt von Grunderkrankung, Alter und Zustand ab.
Die Entscheidung trifft die behandelnde Intensivmedizin gemeinsam mit den Angehörigen. Folgende Fragen helfen bei der Vorbereitung:
- Wie lange wird der Patient schon beatmet, und wie viele Spontanatmungsversuche sind gescheitert?
- Gibt es ein Zentrum in erreichbarer Nähe, das aktuell einen Platz anbietet?
- Ist der Zustand stabil genug für den Transport?
- Wie sind die Angehörigen eingebunden, und wo werden sie untergebracht?
Die Verlegung von Klinik zu Klinik ist Teil des Entlassmanagements. Es umfasst auch die Verordnung einer erforderlichen Anschlussversorgung durch Krankenhausbehandlung in einem anderen Krankenhaus (§ 39 Abs. 1a SGB V). Die Kosten trägt die Krankenkasse als Krankenhausbehandlung. Bitten Sie die Klinik, die Verlegung frühzeitig anzufragen, denn Plätze in den sieben Zentren sind begrenzt, und die Abstimmung zwischen den Häusern braucht Zeit. Wie das Entlassmanagement in der Praxis abläuft, steht im Beitrag zum Entlassmanagement im Krankenhaus.
Nach dem Weaning: Überleitung nach Hause
Gelingt das Weaning, entfällt die Beatmung, und es bleibt gegebenenfalls eine Trachealkanüle. Gelingt es nicht, braucht der Patient eine Anschlussversorgung mit Beatmung. Die Gauting-Klinik beschreibt vier Möglichkeiten: eine spezialisierte Einrichtung für außerklinische invasive Beatmung, die häusliche Pflege (teilweise rund um die Uhr durch Intensivpflege), eine Wohngemeinschaft für Beatmete und ein Pflegeheim für Beatmete.
Für die außerklinische Intensivpflege gelten feste Regeln (§ 37c SGB V):
- Die Verordnung stellt eine dafür besonders qualifizierte Vertragsärztin oder ein besonders qualifizierter Vertragsarzt aus. Das Krankenhaus kann im Entlassmanagement Leistungen für bis zu sieben Tage verordnen.
- Bei Beatmung oder Trachealkanüle sind mit jeder Verordnung das Potenzial zur Reduzierung der Beatmungszeit bis zur vollständigen Entwöhnung und Dekanülierung zu erheben und zu dokumentieren. Dazu erklärt der Beitrag zur Potenzialerhebung mehr.
- Die Krankenkasse genehmigt die Leistung nach Begutachtung durch den Medizinischen Dienst am Leistungsort.
Sprechen Sie spätestens in der Weaning-Phase mit einem Intensivpflegedienst. Er kann die Wohnung prüfen, das Team vorbereiten und die Übernahme mit der Klinik abstimmen. Die IHM beschreibt ihr Angebot unter Beatmungspflege in Bayern. Bitten Sie die Klinik außerdem um ein Überleitgespräch, an dem Ärzte, Pflegekräfte, der Sozialdienst, der Pflegedienst und Sie als Angehörige teilnehmen. Dort sollten Gerätehandhabung, Notfallplan und Hilfsmittel besprochen werden, bevor der Patient die Klinik verlässt. Ist eine Rückkehr in die eigene Wohnung nicht sofort möglich, kann auch eine Wohneinheit oder ein Pflegeheim die richtige Zwischenlösung sein.
Häufige Fragen
Wie viele zertifizierte Weaning-Zentren gibt es in Bayern?
Sieben, laut Angabe der Asklepios Lungenklinik Gauting von bundesweit 65. Sie liegen in Gauting, München, Wolfratshausen, Immenstadt, Donaustauf, Regensburg und Münnerstadt (Stand: Oktober 2026).
Was ist prolongiertes Weaning?
Nach der S2k-Leitlinie der DGP die erfolgreiche Entwöhnung erst nach mindestens drei erfolglosen Spontanatmungsversuchen oder bei Beatmung von mehr als sieben Tagen nach dem ersten erfolglosen Versuch.
Wie gut sind die Chancen in einem Weaning-Zentrum?
Laut Leitlinie gelingt es in spezialisierten Zentren nach Verlegung in etwa 50 Prozent der Fälle, ein Weaning-Versagen doch noch abzuwenden. Der Einzelfall hängt von der Grunderkrankung ab.
Wer veranlasst die Verlegung in ein Weaning-Zentrum?
Die behandelnde Intensivstation, meist mit dem Sozialdienst. Das Entlassmanagement umfasst auch die Verordnung einer Anschlussversorgung durch Krankenhausbehandlung in einem anderen Krankenhaus.
Was passiert, wenn das Weaning nicht gelingt?
Dann wird die Beatmung außerhalb der Klinik fortgesetzt, zum Beispiel mit außerklinischer Intensivpflege zu Hause, in einer Wohngemeinschaft oder in einem Pflegeheim für Beatmete.
Wenn Ihr Angehöriger nach dem Weaning mit Beatmung nach Hause kommt, planen wir die Überleitung mit der Klinik. Ärztinnen, Ärzte und Sozialdienste erreichen uns über die Kontaktseite, Familien finden freie Kapazitäten online.