Versorgung in Bayern
Querschnittzentren in Bayern und der Weg nach Hause
Laut DMGP gibt es vier Querschnittzentren in Bayern. Wir beschreiben Erstversorgung, Reha und Beatmung und zeigen, wie die Überleitung nach Hause gelingt.

Eine hohe Querschnittlähmung, etwa nach einem Unfall oder einer Entzündung des Rückenmarks, kann die Atemmuskulatur lähmen. Betroffene brauchen dann eine Beatmung, oft über Monate oder dauerhaft. Spezialisierte Querschnittzentren behandeln solche Fälle von der Erstversorgung bis zur Rehabilitation. Diesen Weg und die Rückkehr nach Hause beschreibt dieser Beitrag.
Allgemeines zu Ursachen, Alltag, Pflegegrad und Hilfsmitteln bei Querschnittlähmung erklären Intensivpflege-Beratung im Beitrag Querschnittlähmung und die IHM auf der Seite zur Tetraplegie.
Querschnittzentren in Bayern
Die Deutschsprachige Medizinische Gesellschaft für Paraplegiologie (DMGP) führt auf ihrer Seite zu den Behandlungszentren vier Zentren in Bayern. Stand: Oktober 2026.
- Oberbayern: Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau (Murnau am Staffelsee), Zentrum für Rückenmarkverletzte
- Oberbayern: Klinik Kipfenberg (bei der DMGP als VAMED Klinik Kipfenberg geführt, im Krankenhausplan 2026 als VITREA Klinik Kipfenberg)
- Mittelfranken: Krankenhaus Rummelsberg in Schwarzenbruck, Querschnittzentrum Rummelsberg (Sana Kliniken)
- Oberfranken: Klinik Hohe Warte in Bayreuth, Klinik für Querschnittgelähmte
Die DMGP-Liste nennt bundesweit 28 Zentren. Niederbayern, die Oberpfalz, Unterfranken und Schwaben haben kein eigenes Zentrum auf der Liste. Für Betroffene aus diesen Regionen kommt eines der vier bayerischen Zentren oder ein Zentrum in einem anderen Bundesland in Frage.
Die Zentren unterscheiden sich in Größe und Ausrichtung:
- Das Querschnittzentrum Rummelsberg nennt 35 Betten und acht Monitorplätze. Beatmete Querschnittpatienten werden dort über die Intensivstation aufgenommen und versorgt. Je nach Schweregrad sind bis zu drei Stunden Therapie pro Tag möglich.
- Zum Klinikum Bayreuth gehört die Klinik Hohe Warte mit der Klinik für Querschnittgelähmte. Die Klinik für Neurologie des Klinikums betreibt nach eigener Angabe eine Weaning-Station mit 24 Plätzen und bis zu 16 Beatmungsplätzen für die Neurointensivmedizin.
- Für die Klinik Kipfenberg weist der Krankenhausplan des Freistaates (Stand 1. Januar 2026) 13 Betten zur Behandlung Parkinsonerkrankter und Querschnittgelähmter aus. Die Klinik steht außerdem in der Liste der Frühreha-Standorte der Phase B.
Welches Zentrum aufnimmt, entscheiden Verfügbarkeit, Ursache der Lähmung und Kostenträger. Nach einem Arbeits- oder Wegeunfall ist die gesetzliche Unfallversicherung zuständig, sonst die Krankenkasse. Der Sozialdienst der Akutklinik klärt das und stellt die Anfrage beim Zentrum. Fragen Sie nach, ob das Zentrum die Beatmung und das Weaning selbst durchführt, denn nicht jedes Zentrum bietet das im gleichen Umfang an.
Erstversorgung und Reha
Die BG Unfallklinik Murnau beschreibt den Ablauf als Beispiel. Das Zentrum behandelt Patienten mit Rückenmarkverletzungen von Beginn an, einschließlich der operativen Akutbehandlung von Wirbelsäule und Rückenmark. Danach folgt die querschnittspezifische Rehabilitation. Das Zentrum bietet nach eigener Darstellung sowohl eine Rehabilitation mit Fokus auf Regeneration als auch eine resozialisierende Rehabilitation an. Es versorgt die Patienten mit modernen Hilfsmitteln und unterstützt den Übergang nach Hause oder in die weitere Nachsorge.
Für beatmete Patienten nennt Murnau ein eigenes Beatmungsteam. Das Angebot umfasst:
- Invasivbeatmung und Weaning
- Tracheostomamanagement einschließlich Revisionschirurgie und Versorgung mit Epithesen
- Einleitung und Durchführung der nichtinvasiven Beatmung bei akutem und chronischem Verlauf
- Indikation, Implantation und Konditionierung von Zwerchfellschrittmachern
Nach Angabe der Klinik werden im Durchschnitt jährlich etwa 150 beatmete Patienten mit rund 6.000 Beatmungstagen behandelt. Ob ein Zwerchfellschrittmacher für Sie in Frage kommt, kann nur ein Zentrum mit entsprechender Erfahrung beurteilen. Fragen Sie in der Erstversorgung früh nach. Murnau nennt zudem Tetrahandmanagement und -chirurgie als Spezialgebiet.
Fragen an das Zentrum
- Wie viele beatmete Patienten behandelt das Zentrum im Jahr, und mit welchen Methoden wird die Entwöhnung versucht?
- Welche Beatmungsform ist für die Zeit nach der Entlassung vorgesehen, invasiv oder nichtinvasiv?
- Wer übernimmt die Hilfsmittelversorgung und die Einweisung der Angehörigen und des Pflegedienstes?
- Wie oft und wo finden Nachsorge und Beatmungskontrollen statt?
Bleibt die Entwöhnung trotz aller Versuche schwierig, lohnt die Frage nach einem spezialisierten Weaning-Zentrum. Eine Übersicht bietet der Beitrag Weaning-Zentren in Bayern. Ist die Lähmung mit einer Hirnschädigung verbunden, kommt zusätzlich eine neurologische Frührehabilitation in Frage, wie sie der Beitrag Neurologische Reha in Bayern beschreibt.
Beatmet nach Hause: Überleitung
Für die Rückkehr mit Beatmung gilt der Anspruch auf außerklinische Intensivpflege nach § 37c SGB V. Die Verordnung stellt eine dafür besonders qualifizierte Vertragsärztin oder ein besonders qualifizierter Vertragsarzt aus. Bei Beatmung oder Tracheostoma ist mit jeder Verordnung das Potenzial zur Reduzierung der Beatmungszeit bis zur vollständigen Entwöhnung und Dekanülierung zu erheben und zu dokumentieren. Die Krankenkasse entscheidet nach einer Begutachtung des Medizinischen Dienstes am Leistungsort. Sie überprüft ihre Feststellung jährlich.
Murnau führt in seinem Angebot ein Überleitungsmanagement, die Versorgung mit Beatmungshilfsmitteln, eine lebenslange Nachsorge und regelmäßige kurzstationäre Beatmungskontrollen auf. Das ist für Betroffene wichtig, denn die Beatmung wird auch nach der Entlassung weiter überprüft.
Praktisch sollten Sie diese Punkte früh klären:
- Leistungsort: eigene Wohnung, Wohneinheit oder Pflegeeinrichtung. Berechtigten Wünschen ist zu entsprechen.
- Wohnung und Hilfsmittel: Rollstuhl, Pflegebett, Lifter und Beatmungsgerät müssen zur Wohnung passen. Eine Wohnraumanpassung kann Zeit brauchen, auch bei der Finanzierung. Fördermöglichkeiten erklärt der Beitrag zum barrierefreien Umbau.
- Pflegeteam: In der Einzelversorgung betreut eine Pflegefachperson einen Patienten, je nach Verordnung bis zu 24 Stunden am Tag.
- Notfall und Nachsorge: Klären Sie, wer bei Störungen erreichbar ist und wann die nächste Beatmungskontrolle im Zentrum stattfindet.
Kümmern Sie sich schon während der Reha um die Formalitäten. Beantragen Sie bei der Pflegekasse den Pflegegrad, falls noch nicht geschehen, und erkundigen Sie sich beim Sozialdienst nach einem Schwerbehindertenausweis. Beide Anträge brauchen Zeit, und der Pflegegrad bestimmt Leistungen wie Pflegegeld oder Pflegesachleistungen. Halten Sie ärztliche Berichte und die Verordnung der Intensivpflege griffbereit, denn die Pflegekasse und der Medizinische Dienst fragen sie an.
Die Pflegedienste der Gruppe versorgen beatmete Menschen mit Tetraplegie zu Hause. Die Übersicht der IHM zur Beatmungspflege in Bayern finden Sie auf der Seite Beatmungspflege in Bayern.
Häufige Fragen
Welche Querschnittzentren gibt es in Bayern?
Laut DMGP vier: die BG Unfallklinik Murnau, die Klinik Kipfenberg, das Querschnittzentrum Rummelsberg in Schwarzenbruck und die Klinik Hohe Warte in Bayreuth (Stand: Oktober 2026).
Kann ein Querschnittzentrum beatmete Patienten versorgen?
Ja, mehrere tun das. Die BG Unfallklinik Murnau hat ein Beatmungsteam, das Weaning, Tracheostomamanagement, nichtinvasive Beatmung und Zwerchfellschrittmacher anbietet. Das Zentrum Rummelsberg nimmt beatmete Querschnittpatienten über die Intensivstation auf.
Wer bezahlt die Behandlung im Querschnittzentrum?
Je nach Ursache die Krankenkasse oder die gesetzliche Unfallversicherung, zum Beispiel nach einem Arbeits- oder Wegeunfall. Das klärt in der Regel der Sozialdienst der Akutklinik.
Wie kommt ein beatmeter Mensch mit Querschnittlähmung nach Hause?
Mit einer Verordnung der außerklinischen Intensivpflege nach § 37c SGB V durch eine besonders qualifizierte Ärztin oder einen besonders qualifizierten Arzt und mit Genehmigung der Krankenkasse. Bei Beatmung ist eine Potenzialerhebung nötig.
Wird die Beatmung nach der Entlassung weiter kontrolliert?
Ja. Murnau nennt lebenslange Nachsorge und regelmäßige kurzstationäre Beatmungskontrollen. Klären Sie den Termin vor der Entlassung.
Wenn Sie für sich oder einen Angehörigen nach der Reha eine Intensivpflege zu Hause suchen, sehen Sie die freien Kapazitäten ein oder schreiben Sie uns über die Kontaktseite. Wir stimmen die Überleitung mit dem Zentrum ab.